Ratskeller und Marktplatz
1903 - Ansichtskartenausschnitt RatskellerRatskeller und Beikrug
Die erste Erwähnung von Ratskeller und Beikrug geschieht in der Vergleichsurkunde des Jahres 1586. Sie nennt Keller und Gildestedte oder Schenke. Den Gehrdenern werden an Berechtigungen
angewiesen u.a. uf ihrem freyen Kller, daruf die allerhandt Bier und Breyhanen schengken zu lassen … Ferner, das die von Gerden hinfüro die angezogenen Freyheit ihrer Schengke und
Gildestedte … als sie das von Alters hergebracht, behalten und ersitzen, auch die an denen Orten begangenen Excesse nach üblicher Gewohnheit zu straffen.
1906 - Ansichtskartenausschnitt RatskellerDer Echte Ding- Artikel des Jahres 1675 hält diese Berechtigungen fest und nennt unter den Gerechtigkeiten des Rates innen und außerhalb Gehrdens u.a.: einen freyen Keller, freye Gildestedte,
freyen Krug.
Das Calenberger Lagerbuch von 1681 bestätigt, daß der Keller und der Beikrug den Gehrdenern gehört, der dritte Krug aber dem Junker Franz Ernst von Reden.
Die Pachteinnahmen betrugen 1805 für den Ratskeller 90 Thaler und für den Beikrug 15 Thaler.
1911 - AnsichtskartenausschnittWo der Beikrug gelegen hat, ist nicht klar. Es scheint, als ob die Schankgerechtigkeit in dem Hause des jeweiligen Pächters ausgeübt wurde. Denn die verschiedenen Pächter
stehen in den Bürgerlisten unter verschiedenen Nummern.
Im heutigen Hotel „Ratskeller“ hat der Rat der Stadt Gehrden immer noch das Recht, die alte Ratsstube zu benutzen. Eine entsprechende Sicherung ist im Grundbuch am 10. März 1883 eingetragen.
Von diesem verbrieften Recht macht der Rat Gebrauch. Er hält in der im oberen Geschoß des Hauses gelegenen Ratsstube alljährlich einmal eine Sitzung ab.
aus: W. Fütterer – Vom Flecken zur Großgemeinde, Gehrden 1991
1912- Marktplatz mit dem Ratskeller (links), nach der Margarethenkirche das älteste Gebäude der Stadt Gehrden. Im Hintergrund das Kaufhaus Engelke, heute das Textilgeschäft 'Mira Michi'.
Marktplatz mit Außenrestauration um 1920
1938 - Marktplatz und Dammstraße. Links mündet die 'Alte Straße', Blick auf das Kaufhaus Engelke, rechts Bauer Knölke, Bauer Kreipe, ehemaliges Kaufhaus Weidunger, Mieth und Meier.
1940 - Marktplatz und Dammstraße. - Links das Haus 'Am Markt 7', das heute nicht mehr steht. Die Bewohner wurden 'Treppen-Dammann' genannt. Siegfried Dammann ist 1931 gestorben, seine Ehefrau ist 1938 nach Halberstadt verzogen und dann verschollen.
Das Haus ganz rechts ist die damalige Bäckerei Nikulka, später war es das 'Café am Markt' von Kohlenberg. Daneben Bauer Knölke und Kreipe, abgerissen 1973. Dort stehen heute die 'Raths-Apotheke' und die Post.
Im Haus hinter dem Baum (damals Kaufhaus Engelke) war dann später der Laden Deppe. Dort konnte man auch immer noch "lose Milch" kaufen, also in der Kanne. Dort war die Frau Willner, die eine geborene Deppe war und somit die Schwester von der Frau Deppe, die das kleine Lädchen in der Gartenstraße hatte (eine große Stufe musste man da hoch). Gleich daneben war die Eisdiele.
1940 - Luftaufnahme Marktplatz mit Ratskeller und Haus Schaumann (weiße Hausfront).
alte Werbeanzeige des 'Ratskeller'
Marktplatz mit Ratskeller um 1944
alte Speisekarte des 'Ratskeller'„In dem Buch „Geschichte der Stadt Gehrden“ von August Kageler findet man die Erwähnung einer Vergleichsurkunde vom Ratskeller und Beikrug aus dem Jahre 1586. Der Ratskeller gehörte in der
damaligen Zeit den Gehrdener Bürgern. Ebenso die „Gerechtigkeit“, Bier zu brauen, gehörte zum Ratskeller. Der Ratskeller wurde in der Regel alle 4 Jahre neu verpachtet. So betrug die Jahrespacht 1844
185 Taler, zu zahlen an die „Cämmerey“ des Fleckens Gehrden. In den Jahren 1865/70 wurde der Ratskeller käuflich erworben durch die Familien Borsum und Keine. Anno 1876 übernahm die Familie Heinrich
Löchner den Ratskeller bis zum Jahre 1966.
Der Ort Gehrden war Ausspannstation für Postkutschen und Fuhrwerke aller Art und war u.a. letzte Postspedition im Königreich Hannover. Anno 1897 wurde über den Stallungen und der Remise (hinterer
Gebäudeteil) ein großer Saal errichtet, vier Jahre später der Kegelbahn-Fachwerkteil angebaut. Vorher wurde noch im Freien gekegelt, nur durch ein Überdach geschützt.“
aus einer alten Speisekarte des „Ratskeller“:
Auch Brauereien waren in Gehrden ansässig. Hier ein Zufallsfund auf einem Feld Richtung Redderse - Aufschrift eines alten Flaschenverschlusses "Brauerei J. Günzkofer Gehrden".
Marktplatz 1957, Zeichnung Alfred Brecht
Markt mit evangelischer Kirche - Ansichtskartenausschnitt
Links im Bild ist noch das Haus Schaumann zu erkennen, das im Jahr 1970 abgerissen wurde. Der Marktplatz vergrößerte sich dadurch.
Der Ratskeller im Jahr 1960
Vor dem Ratskeller stand auf dem Marktplatz seit den 30er Jahren der plätschernde Brunnen des Hannoverschen Künstlers und Bildhauers Professor Ludwig Vierthaler. „Knabe mit Fisch auf der
Weltkugel“ nannte er diese Arbeit.
Durch die Marktplatzumgestaltung und den Bau der Fußgängerzone verschwand der Brunnen im Februar 1974 und geriet in Vergessenheit. Seit Mai 2011 steht der Brunnen wieder auf seinem alten Platz.
Marktplatz um 1980 mit Café am Markt
Marktplatz 1986
Makttag um 1995
Gehrdener Ansichten
